Einleitung
Wenn ich dieses Buch herausgebe, so ist es mir ein Anliegen, an Beispielen aus meinem Leben zu zeigen, dass GOTT lebt, und Sein Wort die Wahrheit ist, und sich als lebendige Kraft erweist an denen, die es im Glauben für sich in Anspruch nehmen.
In jeder noch so schwierigen, hoffnungslosen Lage weiss ER den Ausweg, denn ER ist der grosse Erlöser und Beschlützer der Seinen. — JESUS, der Mensch gewordene Gottessohn, der am Kreuz von Golgatha für die Sünden der Menschheit starb, und allen, die an IHN glauben, Vergebung ihrer Sünden und ewiges Leben schenkt, ist immer noch grösser als alle Finsternismächte der gottlosen Welt end der Hölle.
Ich danke Gott, dass ER mich in einer an Geld
und irdischen Gütern sehr armen Familie und in einer sonnenlosen
Ein-Zimmer-Gross-Stadt-Wohnung in Berlin, der Hauptstadt Deutschlands, gross
werden liess. – Doch war diese Familie gottesfürchtig und an Jesus
Christus als ihren Herrn und Erlöser gläubig, und mit grosser Liebe und
Fürsorge sorgten sie für ihre 4 Kinder. – Über der Eingangstür hing in
grossen Buchstaben das Josuawort der Bibel:
Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen!
Es war das Motto meines Vaters, der in einer
kleinen Gemeinschaft der Berliner Stadtmission als Ältester diente, und im
vierstimmigen Chor und Posaunenchor mitsang und mitspielte. Dort war die
Bibelschulausbildung für mich und meine 3 Geschwister, die wir, nach und nach
uns entschieden, den Weg der Nachfolge mit Jesus zu gehen.
ER ist es, der dir Kräfte gibt!
das erlebe ich auch noch im Jahre 2010 in meinem 88. Lebensjahr. Es gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen!
Berichte aus Deutschland
A
Einleitung
1.SINGET DEM HERRN EIN NEUES LIED, DENN ER TUT WUNDER !
GOTT HAT MIR EIN NEUES LIED IN MEINEN MUND GEGEBEN, ZU LOBEN UNSEREN GOTT. DAS WERDEN VIELE SEHEN UND SICH FÜRCHTEN UND AUF DEN HERRN HOFFEN. Psalm 40,4
UND ICH SAH, UND SIEHE, DAS LAMM STAND AUF DEM BERGE ZION, UND MIT IHM HUNDERTVIERUNDVIERZIGTAUSEND, DIE HATTEN SEINEN NAMEN UND DEN NAMEN SEINES VATERS GESCHRIEBEN AUF IHRER STIRN. … UND SIE SANGEN EIN NEUES LIED. OFFENBARUNG 14, 2
Musik und Gesang spielten eine ganz wichtige Rolle bei Familie Teubner, die in der Großstadt Berlin lebte. Mit ihrer hellen Sopranstimme sang die Mutter Teubner ihren vier Kindern das Evangelium ins Herz, so dass wir Kinder fast das Singen noch vor dem Sprechen lernten. Vater Teubner spielte im Posaunenchor der Berliner Stadtmission mit und sang auch im gemischten Chor dieser Gemeinschaft, in der er Gemeindeältester war. Als wir vier Geschwister aufwuchsen, war es für uns eine Freude, es ihm gleich zu tun; die beiden Jungen spielten im Posaunenchor und sangen zusammen mit uns beiden Mädchen im gemischten Chor mit. Außerdem lernten wir im Gitarrenchor das Gitarrenspiel, das mich durch mein ganzes Leben begleitete.
An jedem Sonntag vor oder nach dem Gottesdienst sammelte sich meist eine Schar von Jugendlichen in unserer kleinen Großstadtwohnung um das alte Harmonium und wir sangen dort, meist mehrstimmig, ein Lied nach dem anderen von den schönen alten Glaubensliedern. Auch während der sechs Kriegsjahre, in denen meine beiden Brüder an der Kriegsfront waren, verstummte der Lobgesang nicht – auch nicht nach manch einem schrecklichen Bombenangriff auf unsere Großstadt. Eines unserer Lieblingslieder in dieser Zeit war der alte Bachchoral:
Gott lebet noch, Seele, was verzagst du doch?
Gott kann besser als wir denken, alle Not zum Besten lenken.
Seele, so bedenke doch: lebt doch unser Herrgott noch !
Es war Himmelfahrtstag im Jahre 1937, zwei Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. An diesem Tage feierten die vereinigten Landeskirchlichen Gemeinschaften von Berlin den traditionellen Waldgottesdienst im Grunewald, an dem auch ein Jugendchor von 200 Sängern mit seinen Liedern das Fest umrahmte. Das alte Tersteegen - Lied „Gott rufet noch, sollt ich nicht endlich hören“ war oft geprobt und gesungen worden. Doch diesmal war es ein ganz persönlicher Anruf Gottes an mich, die ich mich unter den Sängern befand. Und so sang ich die letzte Strophe des Liedes als ein Gebet der persönlichen Hingabe an Gott:
Ach nimm mich hin, Du Langmut ohne Maßen,
Ergreif mich wohl, dass ich Dich nicht verlasse,
HERR, rede Du, ich geb begierig acht,
Führ, wie Du willst, ich bin in Deiner Macht.
Nach langen inneren Kämpfen hatte ich damit, damals 16-jährig, die Hingabe meines Lebens an Gott vollzogen und wusste es: ER hat mich angenommen, und ich gehöre IHM für Zeit und Ewigkeit!
Und damit begann auch in meinem Herzen das neue Lied von der Erlösung durch Jesus Christus zu tönen und zu klingen, das viele andere auch noch hören sollten.
Um diese Zeit wusste ich es noch nicht, dass es in Gottes Plan war, IHM einmal auf dem Missionsfeld in Panama zu dienen.
Bald nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde ich gerufen, drei Jahre lang in kirchlichen Jugendkreisen der DDR zu dienen, und später noch einige Jahre unter den vielen Flüchtlingen, die in meine Heimatstadt West-Berlin strömten.
Während all dieser Jahre sprach es mich immer in ganz besonderer Weise an, wenn ich Missionslieder hörte oder sang, wie z. B.
„Von Grönlands Eisgestaden, von Indiens
Perlenstrand,
Von Perus goldnen Pfaden, vom dunklen Mohrenland,
Von manchem goldnen Ufer und perlenreicher Flur,
ertönt das Flehn der Rufer: zeigt uns der Wahrheit Spur!“
Auch Missionsbücher sprachen mich sehr an, so dass der Wunsch nach Missionsdienst in Übersee immer stärker wurde. Doch alle Türen schienen verschlossen und ich war ja auch nicht mehr die Jüngste, bis im Jahre 1959 ein Ruf aus Marokko kam: Komm herüber und hilf uns in unserer kleinen spanischen Bibelschule, die von der Radiomission „Stimme von Tanger“ dort gegründet worden war. Mit großer Freude sagte ich zu, doch schon im ersten Jahr meines Dienstes als Hausmutter in der dortigen Bibelschule wurden alle Radiosender in Marokko auf Befehl des Königs Mohammed V. geschlossen und alle Missionare, auch ich, mussten das Land verlassen. In dieser Zeit kam eine Broschüre der Wycliff -Bibelübersetzer in meine Hände, in der ich über die unerreichten bibellosen Stämme las, und bald wurde es klar, dass Gott dorthin eine Tür für mich auftun wollte. Nach einer gut einjährigen Ausbildung in Linguistik und medizinischer Arbeit erreichte mich eines Tages nach vielen Hindernissen und auf mancherlei Umwegen ein Ruf aus Panama: Komm herüber und hilf uns in der Missionierung des Guaymi Indianerstammes !
Diese über 50.000 Indianer leben weit verstreut im Berggebiet Westpanamas und wohnen in ihren mit Gras gedeckten Hütten nicht in Dörfern, sondern in kleinen Familiensiedlungen, und man kann in ihr Gebiet nur auf schmalen Bergpfaden zu Fuß oder zu Pferd gelangen.
Das Leben dieser Bergindianer ist rauh und hart. Sie leben von den kärglichen Erträgen, welche die oft an steilen Berghängen angelegten Felder ihnen geben. Jedes Jahr werden im Februar auf einem Feld das Buschwerk und die kleineren Bäume abgehauen, und wenn es in der heißen Sonne der Trockenzeit getrocknet ist, wird es abgebrannt. In die Asche, die als Dünger dient, wird dann mit der Hand der Reis gesät und später, wenn der Regen gekommen ist, das ganze Feld mit der Hand vom Unkraut befreit. Das bedeutet viel und harte Arbeit in glühender Sonne oder strömendem Regen. Auch Mais und Bohnen und einiges Wurzelgemüse wird auf diese Art angebaut, und es ist manchmal nur gerade genug, um zu überleben.
Wenn jemand in der Familie krank wird, muss alle Arbeit, auch auf den
Feldern aufhören, und somit kann oft der Reis nicht gepflanzt oder geerntet
werden, nur weil jemand krank geworden ist! Und das bedeutet dann Hunger und
mehr Krankheit, besonders auch Tuberkulose!
Als Urheber aller Krankheiten werden jedoch die bösen Geister angesehen, vor denen sich alle Guaymis sehr fürchten. Es gibt bei ihnen nur einige wenige Männer, die Macht über die bösen Geister haben, das sind die Zauberer. Zu ihnen muss man gehen, wenn jemand in der Familie krank geworden ist, oder auch wenn man einen Traum gehabt hat, was ein Anzeichen dafür ist, dass ein Feind einen Zauberfluch über den, der den Traum hatte, ausgesprochen hat. So muss nun der Zauberer herausfinden, wer dieser Feind war, und über diesen dann einen Zauberfluch aussprechen, so dass der Feind dann krank wird und stirbt. So töten sich manche Familien gegenseitig durch Zauberei! Auch behaupten die Zauberer, Krankheiten mit Hilfe ihrer bösen Geister heilen zu können. Aber sie machen es nicht umsonst, sondern lassen sich gut bezahlen. So leben die Guaymis in dauernder Furcht voreinander und vor den bösen Geistern und sind abhängig von ihren Zauberern, die Knechte Satans sind.
Die Guaymis glauben an einen Schöpfergott, der alles, auch Tiere und Menschen geschaffen hat. Doch, nachdem er alles fertig hatte – so sagen sie – zog er sich in den Himmel zurück und kümmert sich nicht mehr um die Menschen. Er gibt ihnen nur Nahrung, damit er selbst Nahrung hat, denn wenn er hungrig ist, dann holt er sich die Seelen einiger Menschen und isst diese auf, und die Menschen müssen dann sterben. So leben die Guaymis auch in großer Furcht vor Ngöbö, dem Schöpfergott. Nur die Zauberer haben Einspracherecht bei ihm und können ihn bitten, den einen oder anderen zu verschonen, wenn diese mit Geschenken zu ihnen kommen und sie um Hilfe und Fürsprache bitten.
So lebten die Guaymis durch viele Generationen hindurch in Finsternis und Furcht und suchten immer nach dem stärksten Zauberer, der die größte Macht hat.
Bevor ich im November 1962 nach Panama kam, hatten dort schon einige Missionare, besonders zwei Amerikanerinnen, etwa sechs Jahre unter den Guaymis gearbeitet. Die beiden jungen Frauen wohnten an einem ganz entlegenen Ort im Berggebiet der Indianer. Dort erzählten sie den sehr scheuen Indianern, die zuerst vor ihrem so andersartigen Aussehen flohen, dass der Schöpfergott sie gar nicht aufessen will, sondern sie lieb habe. Er hat sogar seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, vom Himmel auf die Erde zu den Menschen herab gesandt, und dieser hat sich dann für all die bösen Taten der Menschen strafen lassen. Bei seinem Sterben am Kreuz hat Er dann Satan und alle seine bösen Geister besiegt und entmachtet!
„Das ist aber ein gutes Wort, was ihr habt“, sagten sie zu den Missionarinnen. „Unsere Zauberer haben hingegen ein böses Wort! Wir wollen mehr von Eurem guten Wort, worauf wir schon so lange gewartet haben, hören!“ Und so kam es, dass bald viele der Indianer Jesus, den Sohn Gottes, und sein Gutes Wort, wie sie es nannten, annahmen und frohe, befreite Christen wurden.
Die Guaymi Indianer kannten keine Lieder und hatten vorher auch nicht gesungen, doch nun wollten sie die „Fröhlichen Worte“, wie sie die Lieder nannten, die die Missionarinnen ihnen vorsangen, auch lernen. Die Lieder hatten zwar spanische Worte, wie auch das Buch Gottes, aus dem die Missionarinnen ihnen vorlasen, in spanisch war. So meinten sie, Gott rede nur spanisch und auch sie müssten zu Ihm spanisch reden und beten.
Die Melodie spielte bei den Liedern keine so große Rolle, auch die spanischen Worte nicht, aber sie sangen aus der Freude ihres Herzens das neue Lied von der Erlösung durch Jesus Christus!
Und sie konnten stundenlang singen, ohne zu ermüden!
Als ich Ende 1962 zu ihnen kam,
begleitete ich die mir gut bekannten spanischen Evangeliumslieder auf meiner
Gitarre, und sang mit lauter Stimme, um ihre falschen Töne zu übertönen! Ich
wunderte mich nur, dass sie immer zwei bis drei Töne und Worte hinter mir her sangen, und ich dachte, ich sänge
zu schnell. Doch der Grund war der, dass sie weder Worte noch Melodie kannten,
und so war das Singen nicht gerade melodisch in meinen Ohren! Doch nach und
nach lernten sie auch die Lieder und das Singen besser. Einige von ihnen
lernten sogar durch auswendig gelernte Lieder das Lesen der spanischen Sprache!
Heute sind einige von ihnen
ausgezeichnete Sänger und Gitarrenspieler, und ab und zu tragen sie auch schon
Lieder mehrstimmig vor!
Während der ersten drei Jahre in Panama lag der Schwerpunkt meines Dienstes auf der medizinischen Behandlung der Kranken, die oft in Scharen von weither zu uns kamen oder gebracht wurden, um von uns, die manchmal missverstandene „Zaubermedizin der weißen Frauen“ zu holen. Die jungen Gläubigen aber lernten es bald, auch für die Kranken unter ihnen zu beten. Jesus hatte doch so viele Kranke hier auf Erden geheilt, und warum sollte Er das nicht heute auch tun können? Aber sie erfuhren auch, dass es in Gottes Plan sein kann, einige aufs Gebet hin zu heilen und andere wieder zu sich zu nehmen. So erlebten wir beides, wunderbare Heilungen, aber auch Todesfälle.
Als dann eine holländische Krankenschwester kam, die die medizinische Arbeit übernehmen konnte, fing ich mit dem Lernen und der Analyse der schwierigen Guaymi-Sprache an, die durch meine Vorgängerin erst teilweise niedergeschrieben und analysiert war. Im Jahre 1965 fing ich dann mit der Übersetzung des Neuen Testamentes in die Guaymi-Sprache an, zunächst mit Layo, einem jungen gläubigen Guaymi. Meine Kollegin Eleanor hatte ihm das Lesen und Schreiben in spanisch beigebracht, und nun liebte er es, stundenlang die Bibel und schwierige theologische Kommentare zu lesen.
„Layo, welches ist die wichtigste Geschichte, die wir zuerst übersetzen sollten?“ fragte ich ihn.
„Markus 5, die Befreiung des besessenen Gadareners von der Legion von bösen Geistern!“ war seine prompte Antwort. Und danach war ihm die Auferstehungsgeschichte Jesu die zweitwichtigste Geschichte, die wir übersetzten. „Mein Volk soll wissen, dass Jesus der HERR über die Dämonen ist, und dass ER lebt!“ sagte Layo.
Er wurde aber oft und immer wieder, wenn wir übersetzten, meist in den Nächten schwer angefochten, so dass er es schließlich nicht weitermachen konnte, nachdem wir etwa die Hälfte des Neuen Testamentes übersetzt hatten. Mit Pablito, einem jungen begabten Oberschüler, machte ich dann weiter, und 1973, Ende Mai, konnten wir die Erstübersetzung des Neuen Testamentes in die Guaymi-Sprache fertig stellen. Welche Freude! Die Bücher des Neues Testaments wurden alle auf Matrizen geschrieben und abgezogen und einigen Brüdern zur Revision weitergeleitet. Mit Maximo arbeitete ich dann an der Revision der Übersetzung und später mit Florentino, wobei ich auch die Hilfe der Wycliff Bibelübersetzer in Panama City in Anspruch nehmen konnte, bis diese, fälschlich angeklagt, 1981 Panama verlassen mussten.
Einige Bücher, wie z. B. das Lukas- und das Johannesevangelium, wie auch vier von den Paulusbriefen und der 1. Johannesbrief wurden gedruckt. 1986 übergaben wir die Weiterarbeit an der Übersetzung einem jungen Wycliff -Ehepaar, das inzwischen einreisen konnte. Mir selbst aber wurde in dieser Zeit der Auftrag zuteil, spanische Evangeliumslieder in die Guaymi - Sprache zu übersetzen, was ich mit großer Freude tat. Etwa 50 Lieder und Chorusse sind inzwischen übersetzt und in einem kleinen Büchlein veröffentlicht. Wie gern werden sie von den Guaymi - Geschwistern gesungen! „Jetzt verstehen wir, was wir singen!“ sagen sie manchmal. „Früher sangen wir nur spanische Worte, die wir oft nicht verstanden, aber jetzt singen wir das Lied von der Erlösung, das neue Lied, in unserer Sprache, die wir verstehen!“
Ja, sie singen ein neues Lied!
„Kennst auch du dieses neue Lied von der Erlösung durch Jesus Christus, und kannst du es einmal gemeinsam vor dem Throne Gottes mit den Guaymi -Geschwistern singen?“
Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Reiche dieser Welt
„Die Herren dieser Welt kommen und gehen, aber
unser HERR kommt!“
Finanzminister Friedrich von Weizsäcker 1945
Beim Studium des Buches Daniel in unserem Hausbibelkreis in Boquete (2004) wurde ich an manches erinnert, was während und nach der Hitlerzeit in Deutschland passierte.—Ich war damals ja Schülerin (von 12 Jahren) als Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht kam, und erlebte hautnah so manches, was damals vor unseren Augen geschah. Das Buch „Mein Kampf“, was Hitler als Wegweisung und Vermächtnis für das deutsche Volk geschrieben hatte, und was alle Schüler lesen sollten, sollte die „Bibel der Deutschen“ werden. Der altbewährte, kaisertreue General von Hindenburg, der damalige Präsident, hatte auf das Drängen der sich immer mehr ausbreitenden Hitlerpartei, der NSDAP, die Regierungsgewalt schweren Herzens an den einfachen, nicht sehr gebildeten „Gefreiten des Ersten Weltkrieges“ Adolf Hitler, der sich „der FÜHRER“ nennen ließ, übergeben.- Dieser hatte bei der Beerdigungsfeier des alten Generals von Hindenburg ihm das Wort nachgerufen „ Großer Feldherr, geh nun ein in Walhall!“
Das zeigte uns damals schon seine religiöse Einstellung, obgleich er in seinen vielen hinreißenden Reden immer von dem “Allmächtigen“ sprach , womit er auch viele Gläubige betrog. Ich hörte öfters bewährte Glaubensmänner sagen: “Das ist der Mann, den uns Gott gesandt hat, um unser zertretenes deutsches Volk nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wieder aufzurichten!“ Und die großen Erfolge, die er bei der Arbeitsbeschaffung, dem Arbeitsdienst (zu dem ich auch ein Jahr gehörte) u.a. errang, auch die „Annexion“ der damals abgetretenen Gebiete schienen ihm als Retter Deutschlands recht zu geben. Er sprach dann immer wieder von der bevorzugten „Arischen Rasse“, durch die die Welt „genesen“ sollte. Und die Judenfrage wurde zum brennenden Problem, das einer „Lösung“ bedurfte!
Der größte Feind der Welt waren immer die Juden, auch was Martin Luther über die Juden geschrieben hatte, wurde uns Schülern als richtungsweisend weitergegeben. In unserer Oberschulklasse hatten wir drei Jüdinnen, mit denen ich mich besonders anfreundete, da sie von allen anderen gemieden wurden. Sie gehörten doch zum Volke Gottes, - doch nach und nach verschwanden sie aus der Schule.— Unsere Klassenlehrerin Hetta Müller von Hausen, erzählte uns, dass ihr adliger Vater ein Freund von Hitler sei, der mit ihm die „Judenfrage lösen“ wollte. Und beide beschlossen, die Juden, die an allem schuld seien, auszurotten, und damit auch die „christliche Judenreligion“ mit dem Judenbuch, dem Alten, zu verbannen. Das Neue Testament, als Buch, das von Jesus, der ja arischer Abstammung sei, wurde dann noch erlaubt und anerkannt.- Doch die christliche Religion sollte in eine „judenfreie Religion“ umgewandelt werden, wozu der Kultusminister Rosenberg seinen „Mythos“ schrieb. und der damalige Bischof der Lutherischen Kirche, Müller, die „Kirche der Deutschen Christen“ gründete.
Nach sechs Jahren Frieden unter Hitlers Herrschaft, wo er das „Großdeutsche Reich“ gründete, das 1000 Jahre währen sollte, begann im September 1939 der Krieg. Die „bösen Polen“ hatten Schuld, weil sie die dortigen Deutschen provozierten, sodass Deutschland sie „verteidigen“ musste, und in einem „Blitzkrieg“ wurde das ganze Land Polen eingenommen.—Der “Polnische Korridor“ wurde deutsch und zum Warthegau erklärt, wo deutsche Bauern angesiedelt wurden. Und dann folgte die Besetzung vieler anderer Länder Europas, von Griechenland bis Norwegen. Auch England und später Finnland einzunehmen war geplant. Doch in beiden Ländern hatte die Regierung einen Gebets- und Fastentag angeordnet, sodass die deutschen Truppen durch Engelmächte gehindert wurden, in Finnland auch durch Schneestürme, diese Länder, in denen gebetet wurde, einzunehmen! – Welch eine Macht ist doch das Gebet!—In Europa hatte Hitler zwei Verbündete: General Franco in Spanien, und Mussolini in Italien. Außerdem gehörte Japan zu den Verbündeten.
So stand bald die ganze Welt in Flammen, während die deutschen Truppen im kalten Russland nach Moskau vorrückten, und im heißen Afrika unter dem gottesfürchtigen General Rommel, (der sich geweigert hatte, Israel anzugreifen, den man auch den „Wüstenfuchs“ nannte), die englischen Truppen angriff, aber geschlagen wurde!— (PS. Dies sind keine „authentischen fehlerfreien Berichte“, nur einiges, an das ich mich aus jener Zeit erinnere!)
In Deutschland ging alles seinen geordneten Gang weiter. Nur die Jugendlichen und die Männer fehlten, weil sie „eingezogen“ waren, und die Frauen mussten den Platz ihrer Männer so gut als möglich einnehmen. Ich selbst konnte weiter lernen in einer Apotheke und später das Abitur in Abendkursen nachmachen und mit dem Pharmaziestudium beginnen. Die Lebensmittelversorgung war gut organisiert und vieles andere auch.—Wir hatten uns ein Radiogerät angeschafft, sodass wir zu Hause die Nachrichten von den Kriegsschauplätzen hören konnten, - aber nur auf deutschen Sendern, die dauernd „Siegesmeldungen“ weitergaben! Der Propagandaminister Josef Goebbels wußte das deutsche Volk durch seine „Siegesnachrichten“ in „guter Laune“ zu erhalten, denn der Endsieg sei uns ja gewiss!—Hin und wieder kamen Nachrichten durch, von einigen Soldaten oder Truppen, die für „Führer und Vaterland“ gefallen seien. Auch der Rückzug der deutschen Truppen in Russland und der Tod von tausenden von Soldaten im Kessel von Stalingrad wurde ebenfalls in einen Sieg umgewandelt.-
Doch dann kamen die Bombenangriffe auf die deutschen Städte, wo
tausende von Zivilisten, Frauen und Kinder umkamen! – Wenn nachts die
Sirenen heulten, mussten wir schnellstens aus unseren Betten heraus in den
Luftschutzkeller laufen und dort, oft zitternd auf wackligen Stühlen und
Bänken, warten bis die Sirenen die „Entwarnung“ gaben. Viele Städte wurden in
Schutt und Asche gelegt und Menschen unter ihrem Schutt begraben. Auch Berlin
war oft das Ziel der Luftangriffe, aber durch die Größe Berlins wurde nur
einmal unser Stadtteil Charlottenburg angegriffen, und wir hörten um uns die
Sprengbomben fallen, - die nächste konnte jetzt unser Haus treffen, und uns
unter ihrem Schutt begraben - doch Gott zeigte mir den sicheren Zufluchtsort in
Gott: „HERR GOTT, DU bist unsere Zuflucht für und für!“ dieses Wort
aus dem 90.Psalm war uns Rettung, dass unser Haus nicht getroffen wurde!
Die russischen Truppen waren in Berlin eingezogen! Im Ostteil von Berlin und anderen Teilen, wo sie z.T. Haus für Haus eroberten, fanden Strassenkämpfe statt.- Die Russen setzten Granatwerfer und „Molotow-Cocktails“ ein, um den Widerstand zu brechen, zu dem wir im Radio aufgefordert worden waren. „Totaler Krieg“ wurde uns verkündigt im Radio: „Jedes Haus eine Festung des Widerstandes gegen den Feind!“- Doch der Feind war stärker als einige Frauen und Kinder, die Berlin verteidigen sollten!—Ich ging noch täglich in meine Apotheke, um Medikamente, die noch vorhanden waren, auszugeben. Auf dem Weg dorthin, ca. 20 Minuten, hörte ich die Granaten über mir heulen und irgendwo einschlagen, bis es dann doch zu gefährlich wurde und ich in unserer Wohnung bei Vater und Mutter blieb. Am 20 April, „Führers Geburtstag“, hatten die russischen Truppen Berlin erreicht. Der „Führer“ hatte sich in seinem Bunker erschossen und angeordnet, dass man ihn mit Benzin übergießen sollte und verbrennen!!—Auch Josef Goebbels Stimme hörte man nicht mehr, er hatte sich mit seiner Familie erschossen. - Der Kampf um Berlin dauerte noch etwa 14 Tage bis Berlin sich ergab und Anfang Mai waren die Russen bis nach Charlottenburg, ganz im Westteil, vorgedrungen. Es fielen keine Bomben mehr, aber bis dahin hörte man die Granatwerfer zischen und einschlagen! Bis es Anfang Mai plötzlich ganz still wurde,---Toten-Stille!? Unheimlich diese „Stille nach dem Sturm!“ Berlin, die letzte „Festung“ hatte sich „ergeben“,- der „Führer“ tot!-- Es war „Frieden“ geschlossen worden,- der grausame Krieg hatte aufgehört. - Doch was nun?! –Die meist mit Wodka-Alkohol“ betrunkenen russischen Soldaten hatten drei Tage „plünderfrei“ und konnten überall eindringen und sich nehmen, was und wen sie wollten! – und besonders auch die deutschen Frauen und Mädchen vergewaltigen!!— Schrecken überall!!—Viele Frauen wurden nach Russland verschleppt, auch einige meiner Cousinen, die im Ostteil Deutschlands lebten und sich auf die Flucht nach dem Westen begeben hatten.—Unendliche Trecks von Flüchtlingen, von denen besonders im kalten Winter viele umkamen mit ihren Pferden und Wagen!-- In unserer Berliner Wohnung wohnte ich mit meinen Eltern und meiner sechzehnjährigen Schwester im ersten Stock des großen Hauses, wo wir auch von Russen „besucht“ wurden. Doch bald merkten wir, dass die Russen nie in die oberen Stockwerke gingen, nur unten und in die Kellerräume. So gingen wir in die ausgebrannte Wohnung im fünften Stock zum Schlafen, und dann zu einer Freundin, die im fünften Stock wohnte, wo wir beiden Mädchen sicher waren.
Aber das Essen!! Keine Lebensmittel-Ausgabe mehr, jeder musste sehen, wo
er etwas zum Essen „fand“! Beliebt waren die Brennesseln auf den Schutthaufen,
oder „Blättersuppe“ von irgendeinem Baum!- Aber auch da wusste Gott seine
Kinder hindurch zu bringen! Auf den sogenannten „Kartoffel-fahrten“ zu den
Bauern um Berlin konnte meine Mutter und später mein aus dem Kriege
heimgekehrter jüngerer Bruder etwas zum Essen finden. - Und auch das „Fleisch
des Waldes“, die Pilze, wuchsen in dem ersten Jahre so reichlich! Und Gott
hatte noch viele Mittel und Wege seine hungernden Kinder zu versorgen, - Wunder
über Wunder erlebten wir!
Nach Kriegsschluss wurde Deutschland ja in West und Ost geteilt,
dazu Berlin in vier Sektoren! Der größere Sektor im Osten gehörte den Russen, der Südteil Berlins den
Amerikanern, den Engländern der Westen, wo wir wohnten, und den Franzosen der Sektor im Norden. Wir
waren jedoch von der „Russischen Zone“ umgeben und lebten wie auf einer
Insel!--- Wie froh waren wir, als nach zwei Monaten die russischen Truppen von
Westberlin abzogen und die Britischen Soldaten Einzug hielten! - Wir hatten
hier völlige Freiheit und unter diesen Soldaten waren auch viele Gläubige, die
ihre „Army Scripture Readers“ mitgebracht hatten, zu deren Gottesdiensten wir
auch eingeladen waren und mit Freuden teilnahmen. Doch unsere Not war die, dass wir keinen Kontakt nach
Westdeutschland haben durften, da wir ja auf der „Insel Westberlin“ lebten und
nicht durch die Russische Zone, die uns umgab, reisen durften! – So
geschah es, dass im Mai 1948 die Russen beschlossen, alle Zufahrtswege nach
Westberlin zu schließen, sodass keine Lebensmittel von Westdeutschland zu uns
hereinkommen konnten. Wir sollten ausgehungert werden,--Zwei Millionen
Westberliner!!—Gott bewegte die Herzen
unserer früheren Feinde, dass sie statt Bomben nun in ihren Flugzeugen
Lebensmittel für uns hereinflogen. Alle drei Minuten landete ein Flugzeug auf
dem Tempelhofer Flugplatz, und flog wieder zurück, um mehr Lebensmittel
hereinzufliegen! Welch ein Wunder Gottes, diese „Luftbrücke“, die uns ein Jahr
lang vom Himmel her mit Lebensmitteln versorgte!—Zudem hatte Gott den
westdeutschen Bundesländern einen
gottesfürchtigen Bundeskanzler gegeben: Konrad Adenauer. Als im Mai 1948 der
Staat Israel ausgerufen wurde, sah Adenauer, dass Deutschland, das sich so
schwer an Gottes Bundesvolk, den Juden, versündigt hatte, dies soweit wie
möglich durch große Entschädigungssummen wieder gut machen sollte. Und
Westdeutschland anerkannte Israel als Staat, während Ostdeutschland unter der
atheistischen kommunistischen Regierung, Israel nicht anerkannte.—Die
Folge?! Westdeutschland erhob sich wie der Phönix aus der Asche und wurde zu
einem der reichsten Länder der Welt, während Ostdeutschland, das sich die
Deutsche Demokratische Republik (DDR) nannte arm und elend blieb!- „Ohne Gott
und Sonnenschein holen wir die Ernte ein!“ war eins ihrer Schlagworte! Doch
Gott lässt sich nicht spotten!---Sie blieben arm!
Ich wurde von der evangelischen Kirche berufen, die kirchlichen Jugendkreise in der DDR zu besuchen von 1949 – 1952, bis wir, die „bösen Westberliner“, keine Einreise mehr in die DDR bekamen!—Die berüchtigte Berliner Mauer wurde von Erich Honecker errichtet, die den Zugang nach Westberlin nicht mehr möglich machte.—Als dann, 1989 wieder durch ein Wunder Gottes, die „Mauer fiel“, stand mit einem Male Erich Honecker mit seiner Frau, der Erziehungsministerin Margot Honecker, der aus seiner Villa hinaus geworfen wurde, auf der Strasse, und niemand wollte ihn aufnehmen. Da erbarmte sich ein evangelischer Pastor, Uwe Holmer, ein Freund von uns, ihrer und nahm sie in sein Pfarrhaus auf, wo sie einige Monate an der Hausgemeinschaft im Pfarrhaus teilnehmen durften! Die Erziehungsministerin hatte den sehr begabten Kindern von Pastor Holmer nicht erlaubt, das Abitur zu machen, weil ihr Vater Pfarrer war, und nun gab einer der Söhne dieser Frau sein Zimmer!—Später lud der Senat von USA Pfarrer Holmer und seine Frau Sigrid ein, zu einem Bericht vor dem Senat, um ihn zu ehren! Erich Honecker starb kurze Zeit danach in Moskau an Krebs. Seine Frau soll in Chile leben und steht in dankbarem Briefwechsel mit der Familie Holmer.
So kommen und gehen die „Herren dieser Welt“, aber unser HERR kommt!“
<Seite 1> <Seite 2> <Seite 3> <Seite 4> <Seite 5> <Seite 6> <Seite 7>